MUSIK

DAS ALBUM

GEWACHSEN AUF BETON

DIE BOX

GEWACHSEN AUF BETON

INFO/BIO

Die Geschichte von George Boateng, wie BTNG eigentlich heißt, beginnt im Berliner Wedding. Nachdem er dort 1982 das Licht der Welt erblickt, treten er und seine beiden jüngeren Brüder Kevin Prince und Jérôme als Kinder von morgens bis abends auf dem Bolzplatz am Panke-Kanal vor den Ball. Im sogenannten Käfig gibt es alles: Knallharte Matches, raffinierte Tricks, Eins-gegen-Eins-Duelle. »Das war eine unbeschwerte und geile Zeit«, erinnert sich George. Wenn er abends nach einem langen Tag nach Hause kommt, läuft Musik – und wenn er morgens aufsteht, dann läuft auch wieder Musik. »Mein Vater liebt Musik und war damals ein Hobby-DJ«, erinnert sich George und lacht. »Deshalb habe ich schon sehr früh jede Musikrichtung von Swing über Jazz bis Electronic kennengelernt.«

 

Während seine beiden Brüder sich auf den Fußball konzentrieren, gibt George, damals Stürmertalent in der Jugend von Hertha BSC, seine Kickerkarriere bald auf und schließt neue Freundschaften. Zum Beispiel zu einem in Berlin stationierten US-Soldaten, der ihm HipHop-Songs von Public Enemy, dem Wu-Tang Clan vorspielt. Jetzt ist er angefixt. »Ich war aber nie Fan von bestimmten Rappern«, erinnert sich George. »Mir war nicht wichtig, dass jemand berühmt war. Es ging mir darum, dass er echt war und mir etwas zu erzählen hatte. Dass er mir von seinen Schicksalsschlägen berichtet und ich daraus vielleicht etwas lernen kann.«

 

Gebannt lauscht George den Geschichten der MCs und Rap wird der Soundtrack seines Lebens. Aber selbst Rapper werden? Niemals. »Zu der Zeit dachte ich, man müsse als Rapper auch Graffitis malen. Denn alle Rapper die ich kannte, waren auch in der Sprüherszene aktiv, haben Dosen geklaut und sind S-Bahn-Surfen gegangen«, erinnert sich George. »Ich hatte ganz andere Freundeskreise, die mit Musik nichts zu tun hatten.« Statt zum Training geht George jetzt auf Partys oder hängt auf der Straße rum.

 

»Mein Tag hatte nicht zehn, sondern vierzehn Stunden«, erinnert sich George. »Meine Freunde und ich wollten nie schlafen und hatten immer Angst, dass wir etwas verpassen. Dabei wussten wir nicht mal, was wir suchen - aber wir wollten um jeden Preis da sein!« Es ist die Zeit von Berliner Straßengangs wie den Panthers, den Fighters oder den Streetboys. George mischt nicht mit, aber er beobachtet das Geschehen aus nächster Nähe.

 

Und doch gerät sein Leben zunehmend außer Kontrolle. »Ich war groß und vorlaut, bin dementsprechend sofort aufgefallen - und ich habe den Stress auch ein wenig gesucht.« Immer wieder gerät er mit dem Gesetz aneinander. Wegen einiger offener Anzeigen und einer weiteren Körperverletzung sitzt George für acht Monate in U-Haft. »Als ich in der Zelle saß, hatte ich das erste Mal die Zeit, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Ich habe mich gefragt, wer ich wirklich bin und was ich eigentlich erreichen will.«

Als George auf Bewährung freigelassen wird, fängt er ein neues Leben an. »Ich habe geheiratet und zwei Kinder bekommen. Da merkt man, was wirklich wichtig ist im Leben.« George hat sein Leben im Griff. Er züchtet Hunde und pflegt jetzt Freundschaften zu Rappern wie Kool Savas – und er erinnert sich an die MCs, die ihm in seiner Jugend von ihren Schicksalsschlägen erzählt haben. Er beschließt, nun doch mit dem Rappen anzufangen und seine Geschichte zu erzählen. Aber von jetzt auf gleich wird niemand Rapstar. George lernt RAF Camora kennen, der so etwas wie sein erster Mentor wird. Der Rapper und Produzent stellt ihm sein Studio samt Sound Engineer zur Seite und sagt: »Tob dich aus!«

 

Und George tobt sich aus. Er nennt sich fortan BTNG, nimmt einen Song nach dem anderen auf, feilt an Betonungen, übt sich in Flow-Variationen, probiert sich aus, ja, trainiert seine Fähigkeiten - wie damals im Käfig an der Panke. Als alles passt, geht die Suche nach dem richtigen Sound los. Mit Beatzarre und Djorkaeff hat er zwei Produzenten gefunden, die in der Tradition des kompromisslosen Straßenrap aus Berlin stehen. »Der Sound der beiden ist typisch Berlin. Er ist vielseitig, geht immer nach vorne und hat eine unglaubliche Energie.« Die Beats der beiden Produzenten bieten die perfekte Grundlage für die Texte auf BNTGs Debütalbum.

 

»Das Album wird sehr vielfältig klingen«, verrät BTNG. »Ich bin so breit aufgestellt, dass ich alle Genres bedienen kann: Bei mir gibt’s soundtechnisch mal auf die Fresse und dann wird es wieder poppig.« In energiegeladenen Track »Käfigtiger« beschreibt BTNG actionreich den kompromisslosen Kick auf dem Bolzplatz seiner Jugend und macht das raue Ballspiel zur Metapher für ein ganzes Leben. »Normal«, ein Lied, dass BTNG für seinen Sohn geschrieben hat, geht ähnlich unter die Haut wie Songs in denen er über gescheiterte Beziehungen und falsche Bekanntschaften spricht.

 

Die Single »Gewachsen auf Beton« ist ein Tribut an die Herausforderungen des Aufwachsens in einem schwierigen Stadtteil wie Berlin-Wedding. Auf einem treibenden Beat erzählt BTNG über die schwierige Vergangenheit, wegen der er sich eine harte Schale zugelegt hat. Aber hinter der steckt ein sauberer, ehrlicher Kerl, der zu seinem Wort steht, sich nicht verbiegen lässt und ein Vorbild für die Kids ist, die genau wie er auf den Straßen großwerden. Weil er Dummheiten angestellt hat und heute weiß, dass es falsch gewesen ist. Weil er liebender Familienvater und trotzdem ein saucooler Typ ist.

 

»Ich habe mir überlegt, was ich tun kann, damit der Name meiner Familie nicht immer nur mit Fußball in Verbindung gebracht wird - und da ist Musik eben schon immer ein gutes Sprachrohr gewesen«, findet BTNG. »Ich bin ganz nah dran an den Leuten und verstehe, was auf der Straße abgeht. Reichtum oder Berühmtheit und Erfolge feiern bringt dir nichts. Die Frage ist: Was machst du daraus, wenn du Scheiße baust und in den Knast musst? Schließt du dich ein und heulst rum? Nein. Ich bin ein Typ, der nach vorne geht, etwas aus seinem Leben macht und anderen zeigt, dass sie das auch können.«